Newsletter # 12

Drucken

Gesponserter Journalismus an der Schule: Eine heikle Sache

Edito von Jan Grüebler, Vizepräsident Schweizer Presserat

Medienkompetenz ist ein wichtiges Thema an den Schulen. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, mit Medien umzugehen. Sie sollten auch lernen zu unterscheiden, was Journalismus ist und was nicht.

Bei den «Freiburger Nachrichten» gibt es dazu das Projekt «Zeitung in der Schule» in Zusammenarbeit mit Sponsoren und Schulen. Auf den ersten Blick ist das eine gute Sache, auf den zweiten Blick ist das Projekt aber heikel. Es könnte den Jugendlichen ein falsches Bild über den Journalismus vermitteln.

Schülerinnen und Schüler recherchieren und schreiben dabei unter Anleitung von Praktikanten der «Freiburger Nachrichten» Texte zu unterschiedlichen Themen. Das Projekt wird von lokalen Unternehmen über Sponsorenbeiträge finanziert. Die Unternehmen können Themenvorschläge einbringen, zudem werden ihre Firmenlogos in der Zeitung unter den entsprechenden Texten publiziert. Gegen einen so entstandenen Text über einen Milchverarbeiter ist beim Presserat eine Beschwerde eingegangen. Der Text transportiere eine reine Werbebotschaft. Damit sei die journalistische Unabhängigkeit verletzt, heisst es in der Beschwerde. Tatsächlich ist der Text sehr wohlwollend und der Name des Milchverarbeiters kommt insgesamt elf Mal vor.

Das Projekt mag zwar gut gemeint sein. Aber es zeigt den Schülerinnen und Schülern etwas, das eben gerade nicht Journalismus ist: Die Vermischung von Werbung mit dem redaktionellen Teil eines Mediums. Den Jugendlichen wird gezeigt, wie ein Unternehmen mit Geld eine positive Berichterstattung erreichen kann. Das widerspricht den journalistischen Grundregeln und schadet dem Journalismus. Den Schülerinnen und Schülern wird ein grundlegend falsches Bild des Journalismus vermittelt.

Der Presserat hat den beanstandeten Text in den «Freiburger Nachrichten» gerügt, weil für das Publikum nicht klar war, was es da liest. Ist das nun Werbung wie in einer Verlagsbeilage oder ist es redaktioneller Inhalt? Würde es sich um eine Verlagsbeilage handeln, hätte dies für das Publikum klar ersichtlich gemacht werden müssen. Für einen redaktionellen Inhalt war der Text zu nah an einem Werbetext.

Es ist richtig und wichtig, dass sich Redaktionen für die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen engagieren. Das darf auch in Zusammenarbeit mit Sponsoren geschehen. Es ist aber auch wichtig, dass dabei Journalismus so vermittelt wird, wie er sein sollte: Kritisch und unabhängig.

Zur Stellungnahme 42/2024