{"id":17962,"date":"2024-03-07T08:26:39","date_gmt":"2024-03-07T07:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/presserat.ch\/?p=17962"},"modified":"2024-03-07T08:26:41","modified_gmt":"2024-03-07T07:26:41","slug":"peter-studer-1935-2023-unermudlicher-einsatz-fur-einen-fairen-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/presserat.ch\/rm\/peter-studer-1935-2023-unermudlicher-einsatz-fur-einen-fairen-journalismus\/","title":{"rendered":"Peter Studer (1935-2023) \u2013 Unerm\u00fcdlicher Einsatz f\u00fcr einen fairen Journalismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Nachruf von Martin K\u00fcnzi<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Presserat war der Publizist und Medienjurist Peter Studer ein Gl\u00fccksfall. Das 1977 vom damaligen Journalistenverband \u00abSchweizer Presse\u00bb (sp\u00e4ter \u00abSchweizer Verband der Journalistinnen und Journalisten\u00bb, heute \u00abImpressum\u00bb) gegr\u00fcndete Selbstkontrollorgan bearbeitete anfangs nur wenige F\u00e4lle pro Jahr. Zusammen mit seinem Vorg\u00e4nger \u2013 dem Journalisten und Medienwissenschaftsprofessor Roger Blum \u2013 trug Peter Studer massgeblich zur Weiterentwicklung des Schweizer Presserats bei. Beide haben mich als jungen Juristen beruflich massgebend gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Roger Blum, der sein Amt 1991 antrat, sorgte mit konsequenter \u00d6ffentlichkeitsarbeit daf\u00fcr, dass der Presserat das stille K\u00e4mmerlein verliess und zu einer \u00f6ffentlichen Instanz wurde. Als Blum 2001 zur\u00fccktrat, galt Peter Studer weitherum als idealer Kandidat. Er war Jurist und brachte vielseitige journalistische Erfahrung unter anderem als Chefredaktor des \u00abTages-Anzeiger\u00bb und des Schweizer Fernsehens mit. Die Diskussionen im Stiftungsrat \u00abSchweizer Presserat\u00bb waren damals stark verbandspolitisch gepr\u00e4gt. Zudem kursierten Vorurteile aus der damals schon lange zur\u00fcckliegenden Tagi-Zeit. Beides f\u00fchrte dazu, dass Peter Studer schliesslich nur sehr knapp \u2013 mit einer Stimme Unterschied \u2013 gew\u00e4hlt wurde. Er liess sich dadurch aber nicht beirren und setzte die von seinem Vorg\u00e4nger angefangene Arbeit mit grossem Engagement fort. In den sieben Jahren seiner Pr\u00e4sidentschaft zeigte er eine enorme Schaffenskraft und erreichte eine hohe Pr\u00e4senz in der \u00d6ffentlichkeit. Der Presserat profitierte in dieser Zeit vom hohen Bekanntheitsgrad Studers, aber auch von seiner Dozenten- und Vortragst\u00e4tigkeit als Medienrechtler. Ihm ist es massgeblich zu verdanken, dass sich der Presserat in den Nullerjahren schrittweise zu einem in der Medienbranche anerkannten Selbstkontrollorgan weiterentwickelte, das auch von einer breiten \u00d6ffentlichkeit und der Politik wahr- und ernstgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines seiner grossen Anliegen war die Verankerung des Fairnessprinzips: 2003 wurde die Pflicht zur Anh\u00f6rung bei schweren Vorw\u00fcrfen in Richtlinie 3.8 verankert (die Richtlinien erg\u00e4nzen den eher abstrakten Journalismuskodex).<\/p>\n\n\n\n<p>Klar war f\u00fcr Peter Studer zudem, dass nach der 1999 erfolgten Erweiterung der Tr\u00e4gerschaft des Presserats auf weitere Journalistenverb\u00e4nde zwingend der n\u00e4chste Schritt folgen sollte: Mit dem Einbezug der Verleger und der SRG sollte die Akzeptanz des Presserats in der Medienbranche weiter erh\u00f6ht werden. Studers Geduld wurde diesbez\u00fcglich mehrfach auf die Probe gestellt. Er liess sich in seinem Tatendrang jedoch auch durch wiederholte R\u00fcckschl\u00e4ge nicht beirren. 2008, ein Jahr nach seiner erfolgreichen Amtszeit, wurde die Erweiterung dann tats\u00e4chlich realisiert. Seither ist auch eine moderate Abdruckpflicht verankert. Medien sind verpflichtet, eine Zusammenfassung der Stellungnahmen des Presserats, die ihr Medium betreffen, zu publizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Presseratsintern war Peter Studer sowohl ein Leader als auch ein ausgepr\u00e4gt kollegialer Teamplayer. Es ging ihm nie um die eigene Person, sondern immer um die Sache. Beim Feinschliff der Texte der Stellungnahmen, Medienmitteilungen etc. kam jeweils der altgediente Chefredaktor zum Vorschein. Die Praxistauglichkeit der Richtlinien zur \u00abErkl\u00e4rung der Journalistinnen und Journalisten\u00bb und eine m\u00f6glichst verst\u00e4ndliche, einfache Sprache war ihm immer ein grosses Anliegen. Nach seinem R\u00fccktritt half er, den Ratgeber \u00abSo arbeiten Journalisten fair\u00bb (erschienen 2011) zu verfassen. Anfangs Dezember 2023 ist er im Alter von 88 Jahren nach einem reicherf\u00fcllten Leben still eingeschlafen. Ich werde ihn in bester Erinnerung behalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Martin K\u00fcnzi <\/strong>war von 1991 bis 2013 Sekret\u00e4r des Schweizer Presserats.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Nachruf von Martin K\u00fcnzi F\u00fcr den Presserat war der Publizist und Medienjurist Peter Studer ein Gl\u00fccksfall. Das 1977 vom damaligen Journalistenverband \u00abSchweizer Presse\u00bb (sp\u00e4ter \u00abSchweizer Verband der Journalistinnen und Journalisten\u00bb, heute \u00abImpressum\u00bb) gegr\u00fcndete Selbstkontrollorgan bearbeitete anfangs nur wenige F\u00e4lle pro Jahr. 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