{"id":17958,"date":"2024-03-07T08:23:58","date_gmt":"2024-03-07T07:23:58","guid":{"rendered":"https:\/\/presserat.ch\/?p=17958"},"modified":"2024-03-07T08:23:59","modified_gmt":"2024-03-07T07:23:59","slug":"newsletter-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/presserat.ch\/rm\/newsletter-7\/","title":{"rendered":"Newsletter # 7"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Native Ads \u2013<\/strong> <strong>H\u00fcten wir unser Saatgut<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Edito Susan Boos (Pr\u00e4sidentin Schweizer Presserat)<\/p>\n\n\n\n<p>Native Ads, das ist die Art Werbung, die sich in die redaktionellen Teile reinschleicht und sich als journalistischer Inhalt verkleidet. F\u00fcr die MedienkonsumentInnen sind Native Ads eine Falle. Sie sind nicht in der Lage zu erkennen, dass es sich um Werbung handelt. Nicht weil sie bl\u00f6d sind, sondern weil die Wahrnehmung anders funktioniert. Werbung, die im selben Kleid daherkommt, wie die journalistischen Beitr\u00e4ge rundherum, nimmt der Mensch zwangsl\u00e4ufig als redaktionellen Inhalt wahr. Die <a href=\"https:\/\/www.zhaw.ch\/de\/forschung\/forschungsdatenbank\/projektdetail\/projektid\/4988\/\">Forschung<\/a> hat das inzwischen belegt. Es hilft wenig, wenn irgendwo \u00abPaid Content\u00bb oder \u00abin Zusammenarbeit mit\u00bb steht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns JournalistInnen sind Native Ads ein Graus, weil wir uns schlecht dagegen wehren k\u00f6nnen und weil sie unsere Glaubw\u00fcrdigkeit unterlaufen. Ein kluger britischer Medienwissenschaftler kommentierte das Thema einmal mit dem Satz: \u00abDon\u2019t eat your seeds.\u00bb Wer beginnt, das Saatgut zu essen, weil die Ernte miserabel ausfiel, kommt aus dem Hungern nicht mehr heraus, weil im n\u00e4chsten Jahr nichts mehr da ist, was man s\u00e4en k\u00f6nnte. Die Glaubw\u00fcrdigkeit ist unser wichtigstes Gut und unser Saatgut.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt einen einfachen Ausweg: Klar und selbstbewusst sein \u2013 und dieselben Vorgaben anwenden, die die <a href=\"https:\/\/www.faire-werbung.ch\/de\/\">Schweizerische<\/a><a href=\"https:\/\/www.faire-werbung.ch\/de\/\"> Lauterkeitskommission<\/a> kennt. W\u00e4hrend der Presserat sich dem fairen Journalismus verpflichtet f\u00fchlt, h\u00fctet die Lauterkeitskommission die faire Werbung. Wir sind Schwesterorganisationen im Dienste unserer Branchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere <a href=\"https:\/\/presserat.ch\/journalistenkodex\/richtlinien\/\">Richtlinie 10.1 <\/a>macht Vorgaben bez\u00fcglich \u00abTrennung zwischen redaktionellem Teil und Werbung\u00bb. Da steht: \u00abDie deutliche Trennung zwischen redaktionellem Teil\/Programm und Werbung bzw. bezahltem oder durch Dritte zur Verf\u00fcgung gestelltem Inhalt ist f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der Medien unabdingbar. Inserate, Werbesendungen und bezahlte oder durch Dritte zur Verf\u00fcgung gestellte Inhalte sind gestalterisch von redaktionellen Beitr\u00e4gen klar abzuheben. Sofern sie nicht optisch\/akustisch eindeutig als solche erkennbar sind, m\u00fcssen sie explizit als Werbung deklariert werden. (\u2026)\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst: Native Ads m\u00fcssen entweder klar als Werbung angeschrieben sein <strong>oder<\/strong> dann muss die Gestaltung ganz anders sein. Die <a href=\"https:\/\/www.faire-werbung.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/SLK-Grundsaetze_DE-1.7.2023-2.pdf\">Lauterkeitskommission regelt<\/a> das sehr \u00e4hnlich. Nur ist sie strikter. Es gibt kein Entweder-oder, nur ein Und. Ein einziges Wort macht den grossen Unterschied. Das m\u00fcssen wir \u00fcbernehmen. Dann w\u00fcrde es heissen: Die Werbeinhalte \u00abm\u00fcssen optisch\/akustisch eindeutig als solche erkennbar sein <strong>und<\/strong> explizit als Werbung deklariert werden\u00bb. Dann l\u00e4sst sich auf den ersten Blick erkennen: Hier kommt Werbung.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese eindeutige und unmissverst\u00e4ndlich Unterscheidung wird in Zukunft noch existenzieller \u2013 denn noch wissen wir nicht, wie sich die von KI-Programmen generierten Inhalte in der Werbung breit machen werden. Wenn dann nicht klar zu erkennen ist, was Werbung und was Journalismus ist, wird es fast unm\u00f6glich, die Glaubw\u00fcrdigkeit des Journalismus zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Journalismus ist und bleibt eines klar: Die JournalistInnen und Redaktionen sind f\u00fcr alles verantwortlich, was sie publizieren \u2013 egal ob es mit oder ohne Hilfe von KI-Programmen bereitgestellt wurde. Der Journalismuskodex ist heute schon eine zuverl\u00e4ssige Richtschnur f\u00fcr den Umgang mit KI-Werkzeugen. Anfang Jahr wird der Presserat einen pr\u00e4zisierenden Leitfaden dazu ver\u00f6ffentlichen. Sehr hilfreich ist \u00fcbrigens die <a href=\"https:\/\/rsf.org\/sites\/default\/files\/medias\/file\/2023\/11\/Paris%20charter%20on%20AI%20in%20Journalism.pdf\">Pariser Charta zu KI und Journalismus<\/a> (deutsche \u00dcbersetzung findet sich <a href=\"https:\/\/www.djv.de\/fileadmin\/user_upload\/Infos_PDFs\/Medienpolitik\/KI-Charta.pdf\">hier<\/a>). Wer sich daran orientiert, macht sicher nichts falsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Native Ads \u2013 H\u00fcten wir unser Saatgut Edito Susan Boos (Pr\u00e4sidentin Schweizer Presserat) Native Ads, das ist die Art Werbung, die sich in die redaktionellen Teile reinschleicht und sich als journalistischer Inhalt verkleidet. F\u00fcr die MedienkonsumentInnen sind Native Ads eine Falle. 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