{"id":16367,"date":"2022-12-12T14:06:00","date_gmt":"2022-12-12T13:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/presserat.ch\/?p=16367"},"modified":"2023-02-28T14:09:11","modified_gmt":"2023-02-28T13:09:11","slug":"newsletter-1-2022-man-kann-den-presserat-fur-uberflussig-halten-nur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/presserat.ch\/en\/newsletter-1-2022-man-kann-den-presserat-fur-uberflussig-halten-nur\/","title":{"rendered":"Newsletter #1\/2022: Man kann den Presserat f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig halten, nur \u2026"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier kommt der erste Newsletter des Schweizer Presserats. Wir werden in unserem Newsletter jeweils \u00fcber wichtige Beschwerden und Entscheide berichten und sporadisch auf relevante medienethische Debatten aus dem In- oder Ausland eingehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frage, die gerne hochgespielt wird: Wozu braucht es \u00fcberhaupt den Presserat? \u00abDen Presserat nehme ich \u00fcberhaupt nicht ernst. Es ist eine einseitige, gewerkschaftsnahe linke Organisation, die nichts anderes macht, als alle Medien, die nicht ihrem ideologischen Vorurteil entsprechen, zu bek\u00e4mpfen. Der Presserat ist \u00fcberfl\u00fcssig\u00bb, sagte j\u00fcngst der Chef eines Onlineportals in einem Interview mit \u00abPers\u00f6nlich\u00bb. Der Mann war fr\u00fcher einmal Chefredaktor einer gr\u00f6sseren Zeitung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Mann ein Problem mit dem Presserat hat, spricht f\u00fcr den Presserat. Der Interviewer wollte n\u00e4mlich von dem Onlineportalchef wissen, weshalb er einen Journalisten einstelle, der vom Presserat neunmal ger\u00fcgt worden sei. Worauf dieser entgegnete, der Journalist \u2013 nennen wir ihn A. \u2013 sei ein vorz\u00fcglicher Lokalreporter gewesen und der Presserat eben \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht neugierig auf das S\u00fcndenregister von A. Doch so einfach ist es nicht. Tats\u00e4chlich gingen beim Presserat in den vergangenen Jahren 13 Beschwerden gegen A. ein. Drei der Beschwerden wurden allerdings abgewiesen, und auf eine wurde nicht eingetreten, weil sie offensichtlich unbegr\u00fcndet war. Zu den anderen neun Beschwerden: F\u00fcnf davon wurden teilweise, vier gr\u00f6sstenteils gutgeheissen. A. hatte also mehrmals gegen die \u00abErkl\u00e4rung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten\u00bb verstossen, das ist richtig. Nur, was sagt das aus? Die Anzahl Beschwerden, die beim Presserat gegen ein Medium oder einen Journalisten eingehen, sind statistisch keine verl\u00e4ssliche Gr\u00f6sse. Denn jeder und jede darf jederzeit eine Beschwerde einreichen. Das ist gut und richtig so. Es birgt aber auch das Risiko, dass Medien oder JournalistInnen ins Visier genommen werden k\u00f6nnen und man sie mit Beschwerden \u00fcberzieht. Deshalb verzichtet der Presserat bewusst darauf, Rankings zu ver\u00f6ffentlichen \u2013 weder von JournalistInnen noch von Medien, die besonders oft ger\u00fcgt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem: Wenn derselbe Journalist immer wieder ger\u00fcgt wird, deutet das darauf hin, dass das betreffende Medium ein Problem mit der Qualit\u00e4tskontrolle hat oder hatte. Guter Journalismus entsteht in Redaktionen, die daf\u00fcr sorgen, dass m\u00f6glichst keine Fehler oder unfairen Anschuldigungen ver\u00f6ffentlicht werden. Journalismus ist Teamsport.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da schliesst sich der Kreis zum Chef des Onlineportals. Er war w\u00e4hrend acht Jahren der Chefredaktor von Lokalreporter A. Wenn dieser just in jenem Zeitraum vom Presserat \u00f6fters ger\u00fcgt wurde, betrafen die R\u00fcgen selbstredend auch den Chef. Dar\u00fcber k\u00f6nnte er sich hinwegsetzen, wenn die R\u00fcgen ideologisch motiviert w\u00e4ren. Im Presserat werden aber keine politischen Inhalte diskutiert \u2013 da geht es um die Spielregeln, die das journalistische Handwerk zu einem redlichen, fairen, transparenten Gesch\u00e4ft machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Regeln sind in der \u00abErkl\u00e4rung\u00bb&nbsp;festgeschrieben. Der Berufsverband Impressum hat sie im Sommer 1972 ver\u00f6ffentlicht. Nach 50 Jahren haben sie immer noch keinen Staub angesetzt. Es geht darin um die \u00abWahrheitssuche\u00bb, um \u00abMeinungspluralismus\u00bb oder um den \u00abSchutz der Privatsph\u00e4re\u00bb. In der Pr\u00e4ambel der \u00abErkl\u00e4rung\u00bb steht: \u00abJournalistinnen und Journalisten, welche dieser Bezeichnung w\u00fcrdig sind, halten es f\u00fcr ihre Pflicht, die Grunds\u00e4tze dieser Erkl\u00e4rung getreulich zu befolgen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Der Presserat ist heute sehr breit aufgestellt, neben Impressum und den Gewerkschaften sind der Verlegerverband, die Konferenz der ChefredaktorInnen oder auch die SRG in der Tr\u00e4gerstiftung dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was zentral ist, ist die Selbstregulierung: Nicht der Staat oder Gerichte bestimmen, was Journalismus darf \u2013 es sind JournalistInnen, die \u00fcber die Arbeit anderer JournalistInnen reden, um auszuloten, was man darf und was man nicht darf. Sie reden nicht \u00fcber Politik, sondern \u00fcber Berufsethik. Das sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich darum foutieren. Das w\u00e4re aber, wie wenn man beim Sport sagt, man anerkenne weder Spielregeln noch SchiedsrichterInnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Kann man machen, dann ist es aber kein Sport mehr, sondern eher ruchlose R\u00fcpelei.<\/p>\n\n\n\n<p>Susan Boos,&nbsp;Pr\u00e4sidentin des Schweizer Presserates<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/presserat.ch\/newsletter\/\">Anmeldung Newsletter<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier kommt der erste Newsletter des Schweizer Presserats. Wir werden in unserem Newsletter jeweils \u00fcber wichtige Beschwerden und Entscheide berichten und sporadisch auf relevante medienethische Debatten aus dem In- oder Ausland eingehen.&nbsp; Eine Frage, die gerne hochgespielt wird: Wozu braucht es \u00fcberhaupt den Presserat? \u00abDen Presserat nehme ich \u00fcberhaupt nicht ernst. 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